Dr. phil. Véronique Sina | Medienwissenschaftlerin

Seminare

Comics und Disability Studies

Universität zu Köln, Institut für Medienkultur und Theater

SoSe 2018

14227.0221 | AM2-S/AM2-Ü

Seminarleitung:

Dr. Véronique Sina

Termine:

Einführung:

Block I:

Block II:

Vornehmlich in den USA und Großbritannien etabliert, beschäftigen sich die Disability Studies mit der diskursiven Hervorbringung sowie Aufrechterhaltung von ‚Behinderung’ in Gesellschaft, Kultur, Politik und Medien. Im Gegensatz zu einem medizinisch-biologischen oder körperlichen Modell wird ‚Behinderung’ als sozio-kulturelles Konstrukt verstanden ohne dabei individuelle Formen der Beeinträchtigung zu negieren. Dabei wird davon ausgegangen, dass „Beeinträchtigung […] nicht durch die individuelle Besonderheit an sich zur Behinderung [wird], sondern durch die gesellschaftlichen, ideologischen und diskursiven Bedingungen, die die Idee einer stabilen Norm festschreiben und so das Defizitäre des von ihr Abweichenden überhaupt erst produzieren“ (AG Disability Studies in Deutschland). Ziel des Seminars ist es, solche (Re-)Produktionen der „Ver/Behinderung“ (Jacob/Köbsell/Wollrad 2010) im Medium Comic in den Blick zu nehmen. Anhand ausgewählter Beispiele werden Strategien der Visualisierung und Narrativierung von ‚Behinderung’ sowie damit einhergehende hegemoniale Ausschluss-, Kategorisierungs- und Normierungsprozesse analysiert und für die interdisziplinäre Comicforschung anschlussfähig gemacht.

Im Rahmen eines intersektionalen Ansatzes wird zudem ein besonderer Fokus auf die Verbindung und Wechselwirkung von ‚Behinderung’ mit anderen identitäts- und differenzstiftenden Strukturkategorien wie etwa Geschlecht, Sexualität, Alter, Klasse, Nationalität, Religion oder Ethnizität gelegt.

Das Seminar soll im Sommersemester 2018 begleitend zu der 13. Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) „Zwischenräume – Geschlecht, Diversität und Identität im Comic“ (17.-19. September 2018, UzK) angeboten werden. Durch den Besuch des Seminars sollen die Studierenden theoretisch auf die Teilnahme an der sowohl interdisziplinären wie auch internationalen Tagung und den dort behandelten Themenschwerpunkten vorbereitet werden.





Geister des Medialen – Medialität der Geister

Universität zu Köln, Institut für Medienkultur und Theater

SoSe 2018

14227.0308 | AM1-S

Dienstag, 16:00-17:30 Uhr
Seminarraum S 26

Seminarleitung:

Dr. Véronique Sina

Die Faszination für das Fantastische, das Übernatürliche und das Okkulte begleitet bereits die Frühgeschichte technischer Bildmedien: Schon Ende des 18. Jahrhunderts verblüffte der Illusionist Étienne-Gaspard Robertson die erstaunten Besucher_innen seiner Phantasmagorien mit der vorkinematografischen Projektion diverser Trug- und Geisterbilder. Die vermeintliche Sichtbarmachung des Übernatürlichen spielt auch für das statische Medium der Fotografie eine prägnante Rolle: So ist im 19. Jahrhundert eine zunehmende Popularität der so genannten Geisterfotografie zu beobachten, welche durch den Einsatz technischer Tricks (wie etwa der Doppel- bzw. Mehrfachbelichtung) die Präsenz verstorbener Personen ins Bild bannen und somit beweisen sollte. Mit den Werken von Georges Méliès weist ebenfalls der frühe Film eine Neigung zum Fantastischen und Übersinnlichen auf.

Aber auch zeitgenössische Found Footage-Produktionen, wie etwa THE BLAIR WITCH PROJECT (1999) oder die PARANORMAL ACTIVITY-Franchise-Reihe (2007-2015) suggerieren die Sichtbarmachung des Unsichtbaren sowie Geisterhaften und changieren damit zwischen dem medialen Versprechen eines vermeintlich ‚objektiven’, (bewegten) Abbildes der Realität und der Faszination des Fiktionalen sowie Fantastischen. Durch die kontinuierliche Präsenz technischer Medialität lassen diese Produktionen die Grenze zwischen Fakt und Fiktion zunehmend verschwimmen und stellen dabei zugleich das Authentizitätsversprechen (audio-)visueller Medien in Frage.

Im Rahmen des Seminars soll dieser Verzahnung von Fakt und Fiktion, von Geist und Medium nachgegangen und die medien-übergreifende Tradition (audio-)visueller Inszenierungen des Übernatürlichen genauer in den Blick genommen werden.