Dr. phil. Véronique Sina | Medienwissenschaftlerin

Seminare

Aktuelle Perspektiven der Comicforschung

Universität zu Köln, Institut für Medienkultur und Theater

SoSe 2018

14227.0003 | AM2-VL + SM6-RVL

Mittwochs, 17.45h – 19.15h
Hörsaal B (Gebäude 105)

Leitung und Organisation:

Prof. Dr. Stephan Packard und Dr. Véronique Sina

Die Vorlesung setzt sich anhand eines ausgewählten Gegenstands, der Comicforschung, mit etlichen der einflussreichsten und meistversprechenden Forschungsverfahren in der aktuellen Medienwissenschaft auseinander. Sie führt damit in diese Verfahren ebenso ein wie in die umfassende Erforschung einer medialen Form.

Als eigenständige Darstellungs- und Erzählform ist der moderne Comic nicht nur zur ‚Neunten Kunst’ avanciert, sondern bildet auch immer öfter den Gegenstand akademischer Untersuchungen. So ist ebenfalls im deutschsprachigen Raum seit einiger Zeit ein stetig wachsendes Interesse an dem populärkulturellen Phänomen zu beobachten. Ein Trend, der sich u.a. in einer zunehmenden Professionalisierung der mehrdimensionalen Comicforschung niederschlägt, deren analytisches Instrumentarium sich aus einem Konglomerat verschiedenster, interdisziplinärer Methoden und theoretischer Zugänge speist. Denn als hybride Form, welche durch die Kombination bildlicher und linguistischer Zeichen mediale Grenzen überschreitet, bedarf sie auch eines Überschreitens disziplinärer Grenzen zu ihrer Erforschung.

Die Ringvorlesung wird diesem Phänomen Rechnung tragen: In 13 Vorträgen vermitteln Expert_innen aus jeweils fachspezifischer Perspektive Einblicke in aktuelle Fragen, Themen und Projekte der interdisziplinären Comicforschung. Zu den unterschiedlichen fachlichen Perspektiven, aus denen das Medium Comic im Rahmen der Ringvorlesung beleuchtet werden soll, zählen neben grundlegenden Zugängen wie Multimodalität, Semiotik und Bildtheorie auch Partizipations- und Fankulturforschung, Kunstgeschichte und -wissenschaft, und Ansätze der Intersektionalitätsforschung sowie computergestützte und kognitionswissenschaftliche Methoden zur Analyse des Comics. Aber auch der kulturellen Vielfalt des Comics wird in Vorträgen zur Mangaforschung, zur Digitalisierung (z.B. in Form von Webcomics), zu Aspekten der Public History und der Graphic Medicine Rechnung getragen.

Die einzelnen Vorträge werden von kontinuierlichen Diskussionsrunden begleitet, die die verschiedenen Inhalte von Woche zu Woche zu einem überschaubaren Ganzen verbinden.





Comics und Disability Studies

Universität zu Köln, Institut für Medienkultur und Theater

SoSe 2018

14227.0221 | AM2-S/AM2-Ü

Seminarleitung:

Dr. Véronique Sina

Termine:

Einführung:

Block I:

Block II:

Vornehmlich in den USA und Großbritannien etabliert, beschäftigen sich die Disability Studies mit der diskursiven Hervorbringung sowie Aufrechterhaltung von ‚Behinderung’ in Gesellschaft, Kultur, Politik und Medien. Im Gegensatz zu einem medizinisch-biologischen oder körperlichen Modell wird ‚Behinderung’ als sozio-kulturelles Konstrukt verstanden ohne dabei individuelle Formen der Beeinträchtigung zu negieren. Dabei wird davon ausgegangen, dass „Beeinträchtigung […] nicht durch die individuelle Besonderheit an sich zur Behinderung [wird], sondern durch die gesellschaftlichen, ideologischen und diskursiven Bedingungen, die die Idee einer stabilen Norm festschreiben und so das Defizitäre des von ihr Abweichenden überhaupt erst produzieren“ (AG Disability Studies in Deutschland). Ziel des Seminars ist es, solche (Re-)Produktionen der „Ver/Behinderung“ (Jacob/Köbsell/Wollrad 2010) im Medium Comic in den Blick zu nehmen. Anhand ausgewählter Beispiele werden Strategien der Visualisierung und Narrativierung von ‚Behinderung’ sowie damit einhergehende hegemoniale Ausschluss-, Kategorisierungs- und Normierungsprozesse analysiert und für die interdisziplinäre Comicforschung anschlussfähig gemacht.

Im Rahmen eines intersektionalen Ansatzes wird zudem ein besonderer Fokus auf die Verbindung und Wechselwirkung von ‚Behinderung’ mit anderen identitäts- und differenzstiftenden Strukturkategorien wie etwa Geschlecht, Sexualität, Alter, Klasse, Nationalität, Religion oder Ethnizität gelegt.

Das Seminar soll im Sommersemester 2018 begleitend zu der 13. Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) „Zwischenräume – Geschlecht, Diversität und Identität im Comic“ (17.-19. September 2018, UzK) angeboten werden. Durch den Besuch des Seminars sollen die Studierenden theoretisch auf die Teilnahme an der sowohl interdisziplinären wie auch internationalen Tagung und den dort behandelten Themenschwerpunkten vorbereitet werden.





Geister des Medialen – Medialität der Geister

Universität zu Köln, Institut für Medienkultur und Theater

SoSe 2018

14227.0308 | AM1-S

Dienstag, 16:00-17:30 Uhr
Seminarraum S 26

Seminarleitung:

Dr. Véronique Sina

Die Faszination für das Fantastische, das Übernatürliche und das Okkulte begleitet bereits die Frühgeschichte technischer Bildmedien: Schon Ende des 18. Jahrhunderts verblüffte der Illusionist Étienne-Gaspard Robertson die erstaunten Besucher_innen seiner Phantasmagorien mit der vorkinematografischen Projektion diverser Trug- und Geisterbilder. Die vermeintliche Sichtbarmachung des Übernatürlichen spielt auch für das statische Medium der Fotografie eine prägnante Rolle: So ist im 19. Jahrhundert eine zunehmende Popularität der so genannten Geisterfotografie zu beobachten, welche durch den Einsatz technischer Tricks (wie etwa der Doppel- bzw. Mehrfachbelichtung) die Präsenz verstorbener Personen ins Bild bannen und somit beweisen sollte. Mit den Werken von Georges Méliès weist ebenfalls der frühe Film eine Neigung zum Fantastischen und Übersinnlichen auf.

Aber auch zeitgenössische Found Footage-Produktionen, wie etwa THE BLAIR WITCH PROJECT (1999) oder die PARANORMAL ACTIVITY-Franchise-Reihe (2007-2015) suggerieren die Sichtbarmachung des Unsichtbaren sowie Geisterhaften und changieren damit zwischen dem medialen Versprechen eines vermeintlich ‚objektiven’, (bewegten) Abbildes der Realität und der Faszination des Fiktionalen sowie Fantastischen. Durch die kontinuierliche Präsenz technischer Medialität lassen diese Produktionen die Grenze zwischen Fakt und Fiktion zunehmend verschwimmen und stellen dabei zugleich das Authentizitätsversprechen (audio-)visueller Medien in Frage.

Im Rahmen des Seminars soll dieser Verzahnung von Fakt und Fiktion, von Geist und Medium nachgegangen und die medien-übergreifende Tradition (audio-)visueller Inszenierungen des Übernatürlichen genauer in den Blick genommen werden.