Dr. phil. Véronique Sina | Medienwissenschaftlerin

Projekte

Diskursive Konstruktionen kultureller jüdischer Identität(en) in (audio-)visuellen Medien [Arbeitstitel]

Im Zentrum meines Postdoc-Forschungsprojektes steht die Frage, wie kulturelle jüdische Identität(en) in unterschiedlichen Medienkonstellationen hergestellt und verhandelt werden. Anhand konkreter Beispiele werde ich die zeitgenössische Repräsentation kultureller jüdischer Identität(en) in (audio-)visuellen Formen aus der interdisziplinären Perspektive der Jewish Visual (Culture) Studies untersuchen und dabei einen besonderen Fokus auf das konstitutive Verhältnis und wechselseitige Ineinandergreifen verschiedener ordnungsstiftender sowie identitätspolitischer Kategorien wie Ethnizität, Gender, Klasse, Sexualität oder Körper legen. Primärer Analysegegenstand sind ausgewählte (auto-)biografische Werke der jüdisch-amerikanischen Comickünstler_innen Aline Kominsky Crumb und Art Spiegelman, die US-amerikanische TV-Serie TRANSPARENT (seit 2014) sowie die europäische Kinofilmproduktion DIE BLUMEN VON GESTERN (A/D/F 2016).

Davon ausgehend, dass (audio-)visuelle Repräsentationen stets im Kontext ihres (sozio-)kulturellen sowie gesellschaftspolitischen Hintergrundes betrachtet werden müssen, besteht das zentrale Anliegen des Projektes darin, das auf Hierarchisierung basierende hegemoniale Prinzip der ‚jüdischen Differenz’ (vgl. Silverman 2011) in den Blick zu nehmen und dessen Konstitution sowie (Re-)Produktion einer gleichsam medienästhetischen wie -kritischen intersektionalen Analyse zu unterziehen. Dabei lässt sich das Forschungsvorhaben von der grundlegenden Annahme leiten, dass es sich sowohl bei populären Bildmedien – wie etwa Comic, Film und Fernsehen – als auch bei (kulturellen) identitätsstiftenden Strukturen, um kontextabhängige diskursive Konzepte handelt, die durch ihre performative, d.h. dynamische, prozesshafte und nicht-essenzialistische Verfasstheit gekennzeichnet sind.

Im Vordergrund der Beispielanalysen steht somit jeweils die Frage, welchen Anteil zeitgenössische Comic-, Film- und Fernsehproduktionen an hegemonialen Ausgrenzungsverfahren und Normalisierungsprozessen haben. Wie kann der bedeutungskonstituierende Charakter (audio-)visueller Medien mit Blick auf die medial-diskursive (Selbst-)Dokumentation, (Selbst-)Inszenierung und (Selbst-)Konstitution von ‚Jüdischsein’ beschrieben und problematisiert werden? Indem ein besonderes Augenmerk auf die materielle und formal-ästhetische Disposition ausgewählter populärer Bildmedien gelegt wird, trägt mein Forschungsprojekt dazu bei, Ausschließungs- und Machtstrukturen aufzuspüren, sichtbar zu machen und ihre gesellschaftspolitische sowie mediale Form der (Re-)Produktion einer differenzierten Betrachtung und kritisch-reflexiven Analyse zu unterziehen.