Dr. phil. Véronique Sina | Medienwissenschaftlerin

Projekte

Queering Jewishness – Jewish Queerness.
Diskursive Inszenierungen von Geschlecht und ‚jüdischer Differenz’ in (audio-)visuellen Medien

Welche geschlechtlich codierten Vorstellungen von ‚Jüdischsein‘ werden in unterschiedlichen Medienkonstellationen hergestellt und verhandelt? Dieser grundlegenden Frage widmet sich das Postdoc-Projekt, das an der Schnittstelle von Medienwissenschaft, Visual Studies, Jewish Cultural Studies, Gender- und Queer Theory angesiedelt ist. Aus der interdisziplinären Perspektive des noch jungen Feldes der Jewish Visual Culture Studies nehme ich verschiedene zeitgenössische Inszenierungen kultureller jüdischer Identität(en) in (audio-)visuellen Medien in den Blick. Dabei lege ich einen besonderen Fokus auf die tiefgreifende sowie vielschichtige Verbindung zwischen Jewishness und Queerness, die spätestens im 19. Jahrhundert in der weit verbreiteten Vorstellung einer durch Jüd_innen verkörperten transgressiven, abweichenden Sexualität ihren Ausdruck findet. Zugleich manifestiert sie sich in unzähligen Reproduktionen antisemitischer Körper- und Geschlechterbilder, die sich bis heute in der internationalen Medienlandschaft finden lassen.

Anhand ausgewählter populären Bildmedien, wie der US-amerikanischen Amazon Originals-Serie Transparent (2014–2019), der Netflix-Mini-Serie Unorthodox (D 2020), den feministischen Comics der jüdisch-amerikanischen Künstlerin Aline Kominsky-Crumb oder den internationalen Filmproduktionen Die Blumen von Gestern (A/D/F 2017), Call Me by Your Name (I/F/BRA 2017) und Disobedience (IRL/UK/USA 2017), möchte ich dieser (historisch weit zurückreichenden) Vergeschlechtlichung des ‚Jüdischen‘ nachgehen und herausarbeiten, wie ‚Jüdischsein’ in medialen Artefakten nicht nur als ‚Anderssein’ – im Sinne ‚jüdischer Differenz‘– sondern auch als Form der normabweichenden Queerness inszeniert und problematisiert wird.

Als Orte der kulturellen Bedeutungsproduktion haben Medien und ihre Bilder einen entscheidenden Anteil an Vorstellungen von Judentum und ‚Jüdischsein‘. Vor diesem Hintergrund fragt das interdisziplinäre Projekt nach verschiedenen medialen Formen der Präsentation und Repräsentation des ‚Jüdischen‘ in Film, Fernsehen und Comic. Ziel des Projekts ist es, das komplexe und problematische Verhältnis zwischen Aufklärung, Sichtbarmachung und Ausstellen – im Sinne eines Othering-Prozesses – geschlechtlich codierter kultureller jüdischer Identität(en) in (audio-)visuellen Medien zu thematisieren und die gesellschaftspolitische ‚Macht der Bilder’ mit Blick auf die medial-diskursive Inszenierung und Konstituierung von ‚Jüdischsein‘ aus der interdisziplinären Perspektive der Jewish Visual Culture Studies kritisch zu reflektieren.